#8395-2022

Beschreibung des Mangels

Der große Teich am Windknollen verliert aufgrund des Wetters an Wasser. Wetterwechsel ist nicht in Sicht. Mittlerweile haben sich doch Fische angesiedelt. Der Himmelsteich trocknet aus, was ist mit den Fischen?

Bilder des Mangels

Details des Mangels

Kategorie
Sonstiges
Status
Geschlossen
Abteilung
Fachdienst Umweltschutz
Geokoordinaten
50.948341896997, 11.569644990819

Anmerkungen / Status Änderungen

Mangel wurde gemeldet.

Sehr geehrte*r Mängelmelder*in,

das Aussetzen von Goldfischen in verschiedenste Gewässer in der freien Landschaft ist leider auch in und um Jena vielerorts festzustellen und stellt für den ernsthaft betriebenen Naturschutz ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.

Insbesondere die jüngeren Larvenstadien seltener Amphibien und zahlreiche gefährdete Wasserinsekten werden durch Goldfische, welche keine besonderen Ansprüche an die Nahrungswahl stellen und sowohl pflanzliche als auch tierische Kost annehmen, ausgesprochen stark dezimiert, in manchen Kleingewässern so stark, dass deren Lokalpopulationen die für den langfristigen Fortbestand kritischen Grenzen unterschreiten können.

Gerade für die Entwicklung solch sensibler, seltener und auf hohen Prädationsdruck empfindlich reagierender Arten sind in der Natur solche Gewässer von essentieller Bedeutung, welche jahrweise trocken fallen (sog. temporäre Gewässer). Durch ein solches Trockenfallen sterben die in einem solchen temporären Gewässer befindlichen räuberischen Tiere – neben Goldfischen sind dies u.a. Libellenlarven und die Larven einiger großer Wasserkäferarten – nahezu vollständig ab, das Gewässer wird hinsichtlich seiner Fauna sozusagen von Zeit zu Zeit "auf Null gesetzt". Das dabei auch der ganz überwiegende Teil der Individuen der seltenen Arten in solchen Jahren in dem betroffenen Gewässer zugrunde geht, ist selbstredend, aber völlig natürlich. Dafür bietet ein solches Gewässer dann im Folgejahr nach erneuter Bespannung mit Wasser i.d.R. hervorragende Voraussetzungen für die erfolgreiche Entwicklung gerade dieser stark gefährdeten Arten, da es weitestgehend von relevanten Prädatoren frei ist (Libellenlarven und Wasserkäferlarven wachsen nach Neubesiedelung des Gewässers vergleichsweise langsam bis zu "gefährlicher" Größe heran, Kaulquappen und kleinere Insektenlarven durchlaufen hingegen eine wesentlich schnellere Entwicklung) – vorausgesetzt natürlich, es wurden zwischenzeitlich nicht unvernünftigerweise wieder neue Goldfische darin ausgesetzt.

Daraus wird auch schnell ersichtlich, dass solche temporären Gewässser für viele der seltenen Arten oft nur ein oder bestenfalls zwei Jahre als Entwicklungsgewässer geeignet sind und dann erst wieder nach der nächsten Austrocknung. In Ökosystemen mit mehreren Kleingewässsern in räumlicher Nähe zueinander, wie dies in vielen Fällen und so auch auf dem Windknollen der Fall ist, findet sich eine ständige Dynamik und ein ständiges Nebeneinander von Gewässern welche trockenfallen und solchen, die das Wasser über längere Zeit halten. Nur diese Dynamik und dieses Nebeneinander ermöglicht allen im Ökosystem vorkommenden Arten langfristig den Fortbestand.

Um auch dies vorweg zu nehmen: Für die Funktionalität im vorstehend beschriebenen Sinne spielt es dabei keine Rolle, ob ein periodisch trocken fallendes Kleingewässer auf natürliche Weise (z.B. als Tonlinsenbildung in einer Endmoränenlandschaft) oder durch künstliche Anlage (z.B. im Zuge einer naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahme) entstanden ist. Naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen - wie hier vorliegend - zielen darüber hinaus immer darauf ab, ausschließlich der einheimischen Fauna und Flora zu Gute zu kommen. Leider ist in der heutigen Zeit, mit ständig fortschreitender Ausräumung der ursprünglichen Natur, das Überleben zahlreicher bedrohter Arten vielerorts schon von der Schaffung solch künstlich angelegter Ersatzlebensräume abhängig geworden.

In Ansehung der vorstehenden Ausführungen werden Sie bitte verstehen, dass seitens der unteren Naturschutzbehörde im vorliegenden Falle kein regulierendes Eingreifen (wie z.B. künstliche Zufuhr von Wasser) erfolgen wird, da dies naturschutzfachlich in keinster Weise zielführend, sondern sogar ausgesprochen kontraproduktiv wäre.

Viele Grüße,

Ihr Team Umweltschutz

Der Mangel wurde migriert, dadurch hat sich die ID geändert. Die alte ID war: #8505-2022, die neue ID ist: #8395-2022.

Kommentare

Die Fische haben sich dort wohl nicht von selbst angesiedelt sondern wurden dort ausgesetzt. Es handelt sich nämlich um Goldfische ... Vielleicht rettet sie ja derjenige, der sie ausgesetzt hat.

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